
08.11.888
Wir erwachen, frühstücken und brechen anschließend in den Ederingwald auf. Arombolosch übernimmt wie selbstverständlich die Führung und lotst uns entschlossen in eine Richtung. Nach zwei bis drei Stunden wird der Wald merklich dichter. Das Vogelgezwitscher verstummt zunehmend – nur Klick 4 scheint davon nichts zu bemerken.
Schließlich stoßen wir mitten im Wald auf drei schmale Korridore. Kira versucht zu lauschen, um den leisesten und damit vielleicht sichersten Weg auszumachen, doch keiner der Pfade hebt sich vom anderen ab. Stattdessen entdeckt sie Schilder neben den Eingängen.
Links steht: „Sicherer Hafen.“
In der Mitte: „Der Tod ist nah.“
Rechts: „Nur ein Thor folgt diesem Weg.“
Wir entscheiden uns für den mittleren Gang. Der Wald wird enger, dichter, bedrückender – doch nach einiger Zeit stehen wir plötzlich wieder vor denselben drei Korridoren. Offenbar sind wir im Kreis gelaufen. Merkwürdigerweise haben die Schilder nun jedoch ihre Position gewechselt.
Arombolosch und Klick 4 markieren daraufhin die Schilder, bevor wir einen neuen Versuch wagen. Doch als wir erneut an drei Korridoren ankommen, fehlt jede Spur unserer Markierungen. Die Verwirrung wächst. Ideen werden gesammelt, verworfen und diskutiert.
Schließlich führt Arombolosch uns durch den rechten Weg – doch auch dieser bringt uns wieder genau an denselben Punkt zurück.
Also beschließen wir, die Sache anders anzugehen. Arombolosch und Klick 4 bleiben an der Lichtung zurück, während C122, Kira und ich einen der Wege erkunden. Am Ende des Pfades treten wir plötzlich wieder auf die Lichtung – allerdings von hinten – wo die beiden bereits stehen. Auf unsere Nachfrage haben die beiden Flitzpiepen leider nichts Auffälliges bemerkt.
Beim nächsten Versuch fällt Klick 4 schließlich etwas Entscheidendes auf: Die Schilder tauschen einfach ihre Plätze. Um das zu testen, versieht er eines von ihnen mit der Rune der Bewegung. Wir betreten erneut einen der Wege, und Klick 4 versucht, das markierte Schild zu sich zu rufen. Doch nichts geschieht.
Frustriert von diesem endlosen Herumprobieren beschließen wir schließlich, zu rasten. Während wir uns niederlassen, hören wir zwischen dem rechten und dem mittleren Gang den Ruf eines Uhus. Arombolosch entfacht ein kleines Feuer – ob aus Kälte oder vielleicht doch aus Unbehagen in der Dunkelheit, bleibt sein Geheimnis.
Einer nach dem anderen schläft ein. Nur ich finde keine Ruhe und wälze mich lange hin und her. Schließlich bemerke ich einen sanften Luftzug, der aus dem linken Gang weht. Der ruhige Ruf des Uhus wirkt beruhigend auf mich. Langsam fallen mir die Augen zu. Noch im Halbschlaf höre ich, wie ein Schwarm Vögel in Richtung des Uhus fliegt – dann verschluckt mich die Nacht.
09.11.888
Am Morgen machen wir uns bereit für einen neuen Versuch. Wir beschließen, den Gang zu wählen, dessen Beschreibung wir bisher noch nicht betreten haben. Doch erneut führt uns der Weg zurück zu den drei Korridoren.
Also erzähle ich der Gruppe von meinen Beobachtungen aus der Nacht.
Plötzlich erkennt Kira die Lösung. Sie nimmt eine Fackel und hält sie vor jeden der drei Gänge. Schließlich entscheiden wir uns für den Pfad, aus dem der Wind strömt.
Nach langem Marsch lichtet sich der Wald – und wir erreichen einen Sumpf. Dort erwarten uns vier hässliche Harpyien, die in einer Reihe stehen und uns aufmerksam mustern. Ihre Federn stellen sich auf, als sie uns sehen.
Arombolosch versucht – ungewöhnlich wortreich – mit ihnen zu sprechen. Tatsächlich antworten sie sogar, doch ihre Sprache ist für uns unverständlich.
Wir wollen den Kampf unbedingt vermeiden. Kira nähert sich vorsichtig und beschwichtigend, wir folgen ihr. Doch der Boden gibt nach, und wir sinken leicht in den morastigen Sumpf ein. Schnell ziehen wir uns wieder zurück und suchen nach einer besseren Lösung.
Arombolosch versucht herauszufinden, ob die Harpyien uns wenigstens verstehen – doch ihre verwirrten Blicke verraten nichts.
Da kommt mir eine Idee. Ich beschwöre ein üppiges Festmahl als Friedensangebot. Schließlich versteht jedes Lebewesen die Sprache des Essens.
Wir ziehen uns ein Stück zurück, um unsere Absichten zu verdeutlichen. Nach kurzem Zögern flattert die erste Harpyie zum Bankett. Die anderen folgen ihr sofort. Während sie sich über das Mahl hermachen, entdecken wir einen festen Weg durch den Sumpf.
Vorsichtig nutzen wir die Gelegenheit und passieren den Sumpf. Die Harpyien lassen uns gewähren.
In der Ferne entdecken wir drei schwebende Lichter. Wir rasten kurz und machen uns dann auf den Weg zu ihnen. Schließlich erreichen wir eine Lichtung. Dort steht eine einzelne Birke, umgeben von einem Kreis aus Pilzen. Die drei Lichter tanzen um den Baum herum.
Als sie uns bemerken, folgen sie unseren Bewegungen innerhalb des Kreises. Wir beschließen, vor dem Pilzring zu lagern und uns etwas zu entspannen. Die Stimmung ist gelöst – wir sind erleichtert, endlich hier angekommen zu sein.
Unsere gute Laune scheint sogar die Irrlichter anzustecken. Sie tanzen förmlich fröhlich innerhalb des Pilzkreises.
Schließlich übermannt uns der Schlaf. Doch die Nacht bleibt ruhig.
10.11.888
Als wir am Morgen erwachen, liegt eine beinahe friedliche Stimmung über der Lichtung. Die Irrlichter schweben noch immer um die Birke und zeigen keinerlei feindselige Regung.
Also betreten wir vorsichtig den Pilzkreis.
Sofort kommen die Irrlichter näher und mustern uns neugierig. Als ich eines genauer betrachte, erschrecke ich: Die Lichter wirken wie schwebende Gesichter.
Nach diesem Schreck lege ich den Ring aus der Krypta ab. Dabei bemerke ich, dass sich links und rechts neben meinem Kopf etwas befindet – doch ich kann nicht erkennen, was genau es ist. Kira legt den Armreif daneben, in der Hoffnung, damit etwas auszulösen.
Währenddessen beobachten Klick 4, Arombolosch und C122 etwas Seltsames: Die Irrlichter beginnen um unsere Köpfe zu tanzen – etwas, das Kira und ich selbst überhaupt nicht wahrnehmen.
Schließlich lege ich auch das Pergament, das zusammen mit dem Ring gefunden wurde, dazu.
Doch trotz allem geschieht nichts.
Also bleibt uns nichts anderes übrig, als den Tag ruhig verstreichen zu lassen, den seltenen Moment des Friedens zu genießen – und schließlich wieder einzuschlafen.