Alfheim sehen und sterben? – I

Nach dem Sieg über die Wachen breitet sich Freude und Erleichterung unter den Elfenbürgern aus. Auch wir sind euphorisch über unseren glorreichen Sieg, weshalb Arombolosch und C122 bereits Pläne über den nächsten Besuch im Freudenhaus schmiedeten.

In Mitten des fröhlichen Durcheinanders machte eine Elfenfrau auf sich aufmerksam, indem Sie die einzig Andersartigen in diesem Reich, C122, Klick4 und Arombolosch, zu sich herüberwinkte. Da wir nicht wussten was diese Frau im Schilde führt, beschlossen Lyara und ich ihnen unauffällig zu folgen. Wir wollen ja nicht riskieren, dass unser Zwerg und der Mensch mit der unglaublichen Haarpracht hinterrücks erdolcht werden. Während die Truppe durch die Elfengassen streift, eröffnete sich vor uns ein größeres Gebäude, welches sich beim Betreten als Bibliothek herausstellte.

In der Bibliothek stand ein Elf, der unsere drei männlichen Kumpanen in einem gebrochenem Zwergisch begrüßte. Wow, endlich mal jemand an diesem Ort, der wenigstens Ansatzweise in Fremdsprachen bewandert ist, dachte ich während ich mit Lyara die wunderschön verzierten Bücher in den Regalen begutachtete. Da von dem Elfen keinerlei Gefahr auszugehen schien, näherten Lyara und ich uns der Gruppe und gaben uns als ihre Mitstreiter bekannt. Der Elf hinter der Kasse wirkte etwas verwundert, da wir nicht auf Elfisch kommunizieren konnten, jedoch ließ er sich davon nicht lange beirren und erzählte uns von einer Möglichkeit Elfisch zu lernen. Diese einmalige Möglichkeit ließen wir uns nicht entgehen, zumal wir dringend mehr Informationen über diesen wundersamen Ort benötigen. Ein warmes Gefühl breitete sich in meiner Brust aus, jedoch verpuffte dieses schneller als es angefangen hatte. C122 schien es genauso zu gehen, während Arombolosch, Klick4 und Lyara wirkten, als würde diese Wirkung länger anhalten. Vielleicht hatte dieser Sprachcrashkurs bei uns nicht gewirkt?

Als die Elfin, die uns herführte, jedoch anfing in ihrer Muttersprache zu sprechen, verstanden wir sie – zum Glück. Sie stellte sich als Ǽlindra vor und berichtete uns auf Nachfrage von anhaltenden Missständen. Wir erfuhren, dass das herbstliche Erscheinungsbild der Stadt nicht dem Normalzustand glich und dass schon seit langer Zeit Einbußen bei den Ernten zu vermelden waren. Dies war alles auf die Abwesenheit der Sommerkönigin zurückzuführen, welche sich nicht mehr um ihr Volk kümmerte und lange nicht gesehen wurde. Das Volk verlangte nach Antworten aber die Wache riegelte die Oberstadt ab, sodass auf dem üblichen Wege kein Durchkommen dorthin möglich war. Da sich unsere Mägen durch immer lauter werdendes Knurren bemerkbar machten, lud uns die Elfin kurzerhand zu sich nach Hause ein.

In ihrem kleinen aber gemütlichen Haus angekommen, setzten wir uns an den runden Holztisch und unterhielten uns während Ǽlindra in der Küche verschwand. Kurz darauf kam sie mit Tellern und einem großen Topf herein. Es duftete herrlich, als sie uns die mit Koriander verfeinerte Kanickelsuppe servierte. Zudem schmeckte ich auch noch Nuancen von Curry und Erdnuss heraus, herrlich, stell sich mal einer vor man könnte so einen Gaumenschmaus nicht vertragen…

Während des Essens kamen wir zurück auf die Oberstadt zu sprechen und die Elfin erzählte uns von einem geheimen Durchgang in einer der Stadtmauern. Lyara kramte unterdessen den Siegelring der Sommerkönigin und die dazugehörige Notiz aus ihrem Rucksack heraus und zeigte sie Ǽlindra. Arombolosch erzählte unterdessen von Margarete und tatsächlich konnte sich die Elfin an eine Menschenfrau erinnern, die vor etlichen Jahren im Elfenreich lebte. Jedoch gab es auch während Margaretes Zeit keinen konkreten Hinweis darauf, weshalb die Stadt abgeriegelt wurde. Nach dem leckeren Essen erkundigten wir uns nach einer Schmiede, um unseren Zwerg wieder einkleiden zu können, nachdem er bald nur in Unterhose in die Schlacht gegen die Stadtwache ziehen musste.

In der Schmiede angekommen wurden wird von einem vollumfänglichen Glitzern empfangen. Da jegliche Art von Eisen Verbrennung bei elfischen Wesen hervorruft, wie ich nur zu gut bestätigen kann, setzen die Elfen auf kristallartige Waffen und Rüstungen. Wir kamen mit dem Schmied ins Gespräch, welcher uns vom Wunsch eines Regierungswechsels, den das Volk hegt, berichtete. Die Abwärtsspirale begann nämlich schon während die Sommerkönigin noch aktiv ihren Amtsverpflichtungen nach kam. Wir sicherten unsere Unterstützung bei der Auflehnung gegen die Wachen zu und im Gegenzug gab der Schmied uns Waffen und begann mit der Herstellung einer maß angefertigten Rüstung für Arombolosch. Hierfür musste unser Zwerg jedoch seine geliebte Eisenaxt beim Schmied hinterlegen, welche Klick4 für alle Fälle mit einer Rune des Rufens belegte.

Da die Rüstungsherstellung etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, besuchten wir den lokalen Marktplatz, um uns um zuhören. Ich war ganz verzückt von einem liebreizenden Schmuckstand und nervte die Verkäuferin scheinbar so sehr, dass sie mir eine Halskette mit einem sonderbaren Anhänger überließ. Sie legte den Anhänger in meine Hand und zog mich dabei mit der anderen Hand zu sich heran. Sie flüsterte mir ins Ohr: „Wenn du in Schwierigkeiten stecken solltest, öffne den Anhänger, gib den Inhalt deinen Feinden und sie werden in Nu das Zeitliche segnen.“. Erfreut über meinen Zugewinn und auch etwas verängstigt von der Schmuckhändlerin und scheinbar auch Hobby-Giftmischerin ging ich zurück zu einer langen Tafel voll mit den feinsten Köstlichkeiten. Lyara hatte vom Hunger der Bürger erfahren und hatte mithilfe ihrer Zauberkräfte ein Festmahl herbeigezaubert.

Schnell bildete sich eine Elfentraube um das Essen. Ein Elf mit Monokel fiel uns auf, der sich als Thalorien vorstellte, der Sprecher der Königin. Er konnte uns ein paar Einblicke in den Beginn des Verfalls des Elfenreichs geben, welcher sich zuerst am alten Theater gezeigt haben soll. Weiterhin erfuhren wir, dass es insgesamt vier Eingänge zum Elfenreich gibt.

Nachdem das Festmahl in Windeseile von den Bewohnern verspeist wurde, machten wir uns zurück auf den Weg zur Bibliothek. Kurz darauf wurden wir jedoch von einem Elfen abgefangen, der sich für das leckere Essen bedankte, das es in dieser Form wohl seit ewigen Zeiten nicht mehr gegeben hatrte. Da wir einen so positiven Eindruck hinterlassen hatten, bot er uns an bei ihm zu nächtigen, was wir dankend annahmen.

Plötzlich ereilte Lyara, Klick4 und Arombolosch ein und dieselbe Vision, wie sie im Anschluss berichteten: eine Stadt, sechs knochenbleiche Türme, ein Fluss, alte Gebäude und Stätten, ein zusammenbrechender Elf, er weint, Trauer, Verzweiflung, Wut. Zurück blieben nagende Rachegelüste.

Verwirrt blickten wir zu dem Elf, der gestand, dass er aus einer anderen Welt außerhalb des Refugiums stammt. Während er den Ort beschrieb, an dem er zuvor lebte, dämmerte uns, dass er das heutige Kreuzingen meint. Die Elfen sahen sich gezwungen aus der Stadt zu fliehen nachdem die Trollangriffe Überhand nahmen. Doch erst mit dem Dazukommen von Angriffen durch Menschen erschuf die Sommerkönigin diesen Rückzugsort und nahm beinahe alle Elfen dorthin mit. Während wir zu Rynavels Haus gingen, berichtete er vom Sohn der Königin, Soryndal, welcher in unserer Realität bleiben wollte. Dafür war er sogar bereit Krieg gegen sein eigenes Blut zu führen. Scheinbar hatte er den Tod seines Vaters durch einen Troll nicht gut verkraftet. Die prägenden Trollangriffe waren im Übrigen der Grund weshalb es hier im neu geschaffenen Elfenreich niemals dunkel wurde, denn wie jeder weiß, erstarren Trolle bei Tageslicht zu Stein.

Während wir durch die kleinen engen Gassen streiften, bemerkte C122 einen scheinbar leblosen Elfen auf dem Rücken liegend zwischen zwei Gebäuden. C122 ging tapfer voran, erkannte dass keine Gefahr drohte und rief uns herbei. In eben jenem Augenblick fuhr eine Windböe durch sein Haar, was ein prächtiger Anblick! Wir eilten herbei und bemerkten, dass der Elf Sand in seinem Rachen hatte. Lyara und ich waren stets bemüht den toten Elfen noch zu retten, packten ihn an den Füßen und schüttelten den Sand aus seinem Hals. Bei anschließender Untersuchung war der Elf jedoch so tot wie zuvor. Lyaras Heilkräfte konnten zwar keine Toten zurückholen, jedoch reichte ihre Begabung aus, um zu erkennen, dass der Körper noch warm war. Demnach konnte der Attentäter noch nicht weit sein. Zudem wies der Körper verästelte Brandmale auf, die vermutlich auf Stromschläge zurückzuführen waren.

Rynavel war entsetzt, denn es war der erste Tote, den es jemals im Refugium gegeben hat. Lyaras scharfes Auge konnte eine Sandspur ausmachen, die sich vom Tatort wegbewegte. Wir verließen Rynavel, um der Spur zu folgen, welche uns hinter die Stadtmauer zum alten Theater führte. Das Theater war sehr marode, teilweise bereits eingestürzt und passte überhaupt nicht zur schönen Optik der übrigen Häuser innerhalb der Stadt.

Wir ahnten Böses und da wir nun wussten, wo der Attentäter sich aufgehalten hatte, gingen wir zurück, um uns auf einen vermeintlich nächsten Kampf vorzubereiten. Wir legten einen Stopp beim Schmied ein, um die glitzernde Zwergenrüstung abzuholen. Schimmernd wie ein opulenter Kronleuchter verließ Arombolosch mit uns die Schmiede und unser nächster Halt war Rynavel Haus für eine lange Rast.

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